Reparatur – Game Over muss nicht endgültig sein
Der Bildschirm bleibt schwarz. Der Automat bootet nicht. Pac-Man hat plötzlich falsche Farben, der Joystick reagiert nur noch in drei Richtungen oder beim Rennspiel fehlt das Force Feedback.
Für uns sind das keine Gründe, einen klassischen Arcade-Automaten abzuschreiben.
Bei Automatenwerk. . . beschäftigen wir uns mit der Technik hinter klassischen Videospielautomaten – von der Spannungsversorgung über Spielplatinen und Röhrenmonitore bis hin zu Joysticks, Münzprüfern, Sound und den besonderen Baugruppen von Fahrsimulatoren und anderen Spezialautomaten.
Unser Ziel ist dabei nicht, aus einem Klassiker möglichst schnell einen modernen Multigame-Automaten zu machen. Wo es technisch sinnvoll ist, möchten wir die vorhandene Technik verstehen, erhalten und reparieren.
Wenn aus „Insert Coin“ plötzlich gar nichts mehr wird
Arcade-Automaten haben häufig ein langes Leben hinter sich.
Sie standen in Spielhallen, Gaststätten, Freizeitparks oder privaten Sammlungen. Manche wurden mehrfach umgebaut, andere jahrzehntelang nicht eingeschaltet. Netzteile wurden ersetzt, Kabel verändert, Platinen repariert und manchmal Lösungen eingebaut, deren ursprünglichen Zweck heute niemand mehr kennt.
Genau das macht die Fehlersuche interessant.
Denn ein schwarzer Bildschirm bedeutet nicht automatisch einen defekten Monitor – und ein nicht startendes Spiel nicht zwangsläufig eine defekte Spielplatine.
Wir versuchen deshalb zuerst herauszufinden, was der Automat tatsächlich macht und was nicht.
Schwarzer Bildschirm, verzerrtes Bild oder fehlende Farben
Der Röhrenmonitor gehört für viele Fans genauso zu einem klassischen Arcade-Automaten wie Joystick und Münzeinwurf.
Und genau dort zeigen sich nach Jahrzehnten häufig Probleme.
Das Bild kann beispielsweise:
- dunkel bleiben
- rollen oder springen
- horizontal oder vertikal zusammenbrechen
- zu groß oder zu klein sein
- verzerrt dargestellt werden
- eine Farbe verlieren
- falsche Farben zeigen
- unscharf werden
- nach einiger Zeit verschwinden
Die Ursache muss dabei nicht zwangsläufig im Monitor selbst liegen.
Auch fehlerhafte Video- oder Synchronisationssignale der Spielplatine, schlechte Steckverbindungen oder Probleme in der Verkabelung können ein ähnliches Fehlerbild erzeugen.
Deshalb betrachten wir Monitor und Signalquelle zusammen, bevor Bauteile auf Verdacht ersetzt werden.
Klassische CRT-Technik erhalten
Ein gut eingestellter Röhrenmonitor erzeugt ein Bild, das wesentlich zum Charakter eines klassischen Arcade-Spiels gehört.
Wo eine Reparatur sinnvoll möglich ist, muss ein defekter CRT deshalb nicht automatisch durch einen LCD-Bildschirm ersetzt werden.
Je nach Fehler können unter anderem Netzteil, Ablenkung, RGB-Stufen, Bildröhrenplatine, Kondensatoren, Potentiometer, Steckverbindungen oder Lötstellen überprüft werden.
Dabei gilt allerdings: In CRT-Monitoren treten gefährlich hohe Spannungen auf. Arbeiten daran gehören deshalb nicht zu den Bereichen, bei denen unkontrolliertes Ausprobieren eine gute Idee ist.
Wenn die Spielplatine nicht mehr spielen will
Bei klassischen Automaten steckt das eigentliche Spiel häufig auf einer eigenen Leiterplatte – der Arcade-PCB.
Und hier können Fehler ausgesprochen unterschiedlich aussehen.
Vielleicht bleibt der Automat vollständig stehen. Vielleicht läuft das Spiel, aber Figuren fehlen. Der Hintergrund besteht plötzlich aus Zeichenmüll. Farben stimmen nicht. Der Selbsttest meldet RAM-Fehler. Ein Soundkanal fehlt oder das Spiel startet nach einigen Minuten neu.
Dann beginnt die Suche auf der Platine.
Abhängig vom jeweiligen System können beispielsweise überprüft werden:
- Versorgungsspannungen
- CPU und Reset-Schaltung
- Taktversorgung
- RAM und Grafik-RAM
- ROMs und EPROMs
- Logikbausteine
- Videoerzeugung
- Soundsektion
- Ein- und Ausgänge
- IC-Sockel
- Steckkontakte
- Leiterbahnen und Lötstellen
Gerade bei seltenen Originalplatinen ist uns wichtig, nicht einfach komplette Baugruppen auszutauschen, wenn sich der eigentliche Fehler lokalisieren und reparieren lässt.
Grafikfehler sind manchmal erstaunlich eindeutig
Ein Arcade-Spiel kann grundsätzlich laufen und trotzdem offensichtlich defekt sein.
Typische Beispiele sind:
- fehlende Spielfiguren
- falsche Sprites
- verschobene Grafiken
- Zeichenmüll
- falsche Farben
- flackernde Elemente
- fehlende Hintergründe
- wiederkehrende Abstürze
- RAM- oder ROM-Fehlermeldungen
Solche Fehler können Hinweise auf bestimmte Speicherbereiche oder Teile der Videoschaltung geben.
Bei der Diagnose helfen deshalb nicht nur Messgeräte, sondern auch das genaue Fehlerbild des Spiels.
Ein Foto oder kurzes Video kann bereits wichtige Hinweise liefern.
Joystick kaputt? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Ein Joystick bewegt die Figur nicht mehr nach links.
Die naheliegende Vermutung: Der Joystick ist defekt.
Das muss aber nicht stimmen.
Zwischen Hand und Spiel befinden sich mehrere mögliche Fehlerstellen: Mikroschalter, Kabelschuhe, Leitungen, Steckverbinder, JAMMA-Kabelbaum und schließlich der Eingang auf der Spielplatine.
Dasselbe gilt für:
- Feuerknöpfe
- Starttasten
- Service-Schalter
- Münzkontakte
- Pedale
- Trackballs
- Spinner
- Lightguns
Deshalb prüfen wir nicht nur das sichtbare Bedienelement, sondern den kompletten Signalweg.
„Insert Coin“ – aber der Automat nimmt keine Credits an
Ein klassischer Arcade-Automat soll natürlich auch seine Münztechnik beherrschen.
Wenn Münzen durchfallen, Credits nicht gezählt werden oder die Starttaste wirkungslos bleibt, kann die Ursache im Münzprüfer liegen – aber genauso gut am Coin-Schalter, an der Verkabelung oder am entsprechenden Eingang der Steuerung.
Je nach Spiel und Hardware gehören auch Einstellungen über DIP-Schalter oder Servicemenüs zur Prüfung.
Bei manchen Systemen ist außerdem ein Freeplay-Betrieb möglich.
JAMMA – und alles, was davor und danach kam
JAMMA hat vieles vereinheitlicht. Einheitlich bedeutet bei jahrzehntealten Automaten allerdings noch lange nicht automatisch fehlerfrei.
Wir beschäftigen uns sowohl mit JAMMA-Systemen als auch mit älteren, herstellerspezifischen Verkabelungen und Adaptern.
Dabei können unter anderem geprüft werden:
- +5-V-, +12-V- und gegebenenfalls weitere Versorgungsspannungen
- Masseverbindungen
- Videosignal
- Synchronisation
- Lautsprecheranschlüsse
- Player-1- und Player-2-Steuerungen
- Coin-Eingänge
- Starttasten
- Servicefunktionen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Automaten, die im Laufe ihres Lebens mehrfach umgebaut wurden.
Denn nicht jeder Adapter ist korrekt beschaltet und nicht jedes Kabel, das irgendwann ergänzt wurde, gehört tatsächlich dort hin.
Kein Sound? Brummen? Nur ein Kanal?
Auch beim Ton können Arcade-Automaten ihre eigenen Vorstellungen entwickeln.
Das Spiel läuft perfekt – nur hören kann man davon nichts.
Oder der Sound kratzt, brummt, ist extrem leise oder verschwindet nach einigen Minuten.
Je nach Automat kann der Fehler in unterschiedlichen Bereichen liegen:
- Soundsektion der Spielplatine
- separate Soundplatine
- Verstärker
- Lautstärkeregler
- Lautsprecher
- Verkabelung
- Spannungsversorgung
- Steckkontakte
Bei Stereo-Systemen oder Automaten mit mehreren Lautsprechern lässt sich der Fehler häufig bereits durch Vergleich der einzelnen Signalwege eingrenzen.
Rennspiele und Spezialautomaten – wenn Arcade mechanisch wird
Bei einem klassischen Upright-Automaten endet die Technik meistens am Joystick.
Bei einem Rennspiel fängt sie dort erst richtig an.
Lenkrad, Pedale, Force Feedback, Motoren und Positionssensoren machen solche Automaten technisch besonders interessant.
Hinzu kommen – abhängig vom Gerät – beispielsweise:
- Motorsteuerungen
- Encoder
- Potentiometer
- Endschalter
- Relais
- Schütze
- zusätzliche Netzteile
- Beleuchtung
- Sitzmechaniken
- spezielle I/O-Platinen
Wenn das Auto im Spiel nach links fährt, obwohl das Lenkrad gerade steht, das Force Feedback fehlt oder ein Motor Fehler meldet, müssen Elektronik und Mechanik gemeinsam betrachtet werden.
Das Gleiche gilt für Lightgun-Spiele, Bewegungssysteme und andere Spezialautomaten.
Jahrzehnte Arcade-Geschichte hinterlassen Spuren
Ein Punkt wird bei Reparaturen häufig unterschätzt: Was hat in den vergangenen 30 oder 40 Jahren bereits jemand am Automaten verändert?
Unter einem Control Panel oder hinter einer Platine können sich durchaus Überraschungen verbergen:
- improvisierte Kabelverbindungen
- falsch dimensionierte Sicherungen
- überbrückte Schutzschaltungen
- ausgetauschte Netzteile
- Adapter unbekannter Herkunft
- abgeschnittene Originalkabel
- Umbauten auf andere Spiele
- nachgerüstete LCD-Bildschirme
- nicht dokumentierte Reparaturen
Deshalb gehört für uns zur Reparatur auch, solche Veränderungen zu erkennen und in die Diagnose einzubeziehen.
Ein Fehler lässt sich nur zuverlässig beheben, wenn man das gesamte System versteht.
Original oder Umbau?
Nicht jeder Arcade-Automat muss in seinen Auslieferungszustand zurückversetzt werden.
Aber bei einem weitgehend original erhaltenen Klassiker sollte man überlegen, bevor funktionierende Originaltechnik entfernt wird.
Eine originale Spielplatine, ein CRT-Monitor oder ein historisches Bedienpanel sind Teil des Gerätes.
Wo eine Reparatur technisch sinnvoll ist, versuchen wir deshalb, Originaltechnik zu erhalten.
Wo ein Umbau bereits vorgenommen wurde oder eine andere Lösung sinnvoller ist, betrachten wir auch diese Möglichkeit.
Es geht nicht um Restaurierung um jeden Preis, sondern um eine technisch sinnvolle Lösung für den jeweiligen Automaten.
Vom klassischen Upright bis zum Rennsimulator
Arcade-Technik ist ausgesprochen vielseitig.
Wir beschäftigen uns unter anderem mit:
- klassischen Upright-Automaten
- JAMMA-Cabinets
- Original-PCBs
- Cocktail-Automaten
- Rennspielen
- Fahrsimulatoren
- Lightgun-Spielen
- Mehrspieler-Systemen
- Spezialautomaten
- Arcade-PC-Systemen
- älteren und umgebauten Cabinets
Da sich Hardware und Ersatzteilsituation stark unterscheiden können, betrachten wir jeden Automaten individuell.
Ihr Arcade-Automat zeigt nur noch „Game Over“?
Dann schicken Sie uns ein paar Informationen zum Gerät.
Besonders hilfreich sind:
- Hersteller des Automaten
- Name des Spiels
- vorhandene Modellbezeichnung
- Beschreibung des Fehlers
- Fotos vom kompletten Automaten
- Foto der Spielplatine und Elektronik
- Foto des Typenschildes, sofern vorhanden
- bei Bild-, Sound- oder Startproblemen ein kurzes Video
Gerade ungewöhnliche Fehler lassen sich anhand eines Videos oft wesentlich besser einschätzen als mit der Beschreibung „geht nicht“.
Automatenwerk
Arcade-Technik gehört auf die Werkbank – nicht vorschnell auf den Schrott.
Wir kümmern uns um Fehlersuche, Reparatur und technische Instandsetzung klassischer Arcade-Automaten – vom Joystick bis zur Spielplatine und vom Röhrenmonitor bis zum Force Feedback.
Damit aus „Game Over“ wieder „Player 1 Ready“ wird.
